Keine Münchner Straße soll mehr nach Antisemiten oder Nationalsozialisten benannt sein

Hans-Meiser-Straße, Paul-Lagarde-Straße oder zuletzt der Friedrich-Berber-Weg: Immer wieder werden in München Straßen umbenannt, nachdem sich herausgestellt hat, dass sie den Namen von Antisemiten oder Nationalsozialisten tragen.

Rathaus München
Rathaus am Marienplatz in München

Diese dunklen Flecken im Straßenregister der Stadt treten bislang eher zufällig zutage, wenn geschichtlich interessierte Münchnerinnen und Münchner darauf aufmerksam werden. Eine Übersicht oder auch nur eine qualifizierte Einschätzung dazu, wie viele historisch belastete Straßennamen es in München insgesamt gibt, fehlt. Das soll sich nach dem Willen der SPD-Stadtratsfraktion im Rathaus in München nun ändern: Sie fordert in einem Antrag eine wissenschaftliche Untersuchung und Handlungsempfehlungen von Experten dazu ein.

Straßennamen, die als kritisch einzustufen sind, sollen in einem Gutachten identifiziert werden. Doch damit allein ist es noch nicht getan. Dem Stadtrat sollen Vorschläge für einen verbindlichen und souveränen Umgang mit der Thematik unterbreitet werden. Die Untersuchung muss nach Auffassung der SPD-Fraktion recht weit gefasst sein: Sie soll sich nicht nur Straßenbenennungen widmen, die in der NS-Zeit von 1933 bis 1945 vorgenommen worden sind. Das Augenmerk soll nicht nur auf Funktionsträgern des NS-Terror-Regimes liegen, sondern ebenso auf ideologischen Wegbereitern, die schon vor 1933 mit einer Straße in München geehrt wurden.

Außerdem hat der Friedrich-Berber-Weg als aktueller Fall einer Umbenennung gezeigt, dass selbst Straßennamen aus der jüngeren Vergangenheit belastet sein können. Die Straße war erst im Jahr 1986 nach Berber benannt worden, der heute als ein führender nationalsozialistischer Völkerrechtler und außenpolitischer Propagandist der Nationalsozialisten gilt. Das Beispiel zeigt, dass für das Gutachten ebenso überprüft werden muss, ob bei Straßenbenennungen nach 1945 die Rolle der Namensgeber in der NS-Zeit ausreichend untersucht und berücksichtigt worden ist.

Hans Dieter Kaplan, SPD-Stadtrat und stellvertretender Fraktionsvorsitzender, meint dazu: „Uns ist bewusst, dass das geforderte Gutachten einen erheblichen Aufwand darstellt, dennoch halten wir es für dringend geboten. Aus unserer Sicht ist es der Thematik nicht angemessen, es weiterhin dem Zufall zu überlassen, ob ein historisch belasteter Straßenname bekannt wird oder nicht. Wir wünschen uns einen souveränen und verbindlichen Umgang mit dem Thema. Es ist unerträglich, dass Münchner Straßen auch heute noch die Namen von Antisemiten, Hetzern und ideologischen Wirrköpfen tragen. Dies wird Münchens beschämendem geschichtlichen Erbe als früherer ,Hauptstadt der Bewegung’ nicht gerecht.“

In München gibt es rund 6200 Straßen, etwa die Hälfte davon ist nach Personen benannt

 

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