Stiftungsgasthaus “Zum Gustl” in Freiham eröffnet

Das Stiftungsgasthaus “Zum Gustl” im Gut Freiham in München hat seit Samstag seine Türen geöffnet. Wie sehnsüchtig die Eröffnung des aufwändig sanierten Schmuckstücks von den Gästen erwartet wurde, zeigt der Zuspruch, den es bereits am ersten Tag hatte.

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Neu eröffnetes Stiftungsgasthaus “Zum Gustl” im Gut Freiham in München

Bis zum letzten Platz gefüllt waren die Gasträume im neuen Stiftungsgasthaus “Zum Gustl” im Gut Freiham in München am Abend des Eröffnungstages am Samstag, 22. Oktober 2022. Das, obwohl der Eröffnungstermin erst sehr kurzfristig feststand und keinerlei Werbung für die grundsanierte ehemalige Schlosswirtschaft im ehemaligen Gutshof gemacht wurde. “Bereits letzte Woche habe ich jeden Tag vorbei geschaut, ob es endlich los geht”, erzählt ein Gast aus Neuaubing. “Als ich dann Anfang der Woche erfahren habe, dass aufgesperrt wird, habe ich dann in meinem Freundeskreis einen Rundruf gestartet, dass wir bereits am ersten Tag dabei sind.”

Nicht nur er hat wohl kräftig die Buschtrommel geschlagen, sondern auch viele andere aus dem Münchner Westen dem benachbarten Germering. Seit vielen Jahren werden die maroden Gebäude im Gut Freiham von der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung (EHWS) , der Mehrheitsgesellschafterin vom Augustiner Bräu in München, aufwändig saniert. Die Fassmanufaktur und die Ställe für die Pferde des Augustiner Prachtgespannes sind schon seit geraumer Zeit fertiggestellt. Die Wiederherstellung des Gasthauses hat sich allerdings lange hingezogen und die Gäste auf eine lange Geduldsprobe gestellt.

Die Stiftung betreibt das sanierte Gasthaus selbst 

“Erst an diesem Mittwoch lagen alle behördlichen Genehmigungen vor und wir konnten das Soft-Opening angehen”, erzählt EHWS-Vorstand Martin Liebhäuser. Die inoffizielle Eröffnung ohne große Ankündigung deshalb, damit sich die Betriebsabläufe in der Küche und im Service einspielen können. “Wir haben angesichts des schönen Wetters an diesem Wochenende kurzfristig sogar noch die Zahl der Tische im Gastgarten verringert, damit Gäste nicht durch lange Wartezeiten verprellt werden.”, berichtet Liebhäuser. 

Soft Opening Stiftungsgasthaus Zum Gustl in Freiham
Soft Opening Stiftungsgasthaus “Zum Gustl” in Freiham – Stiftungsvorstand Martin Liebhäuser (li.) und Augustinerchef Werner Werner Mayer (re.) lassen sich den ersten Schnitt schmecken

Einen Pächter gibt es im Gegensatz zu anderen den Gastronomie-Betrieben der Stiftung in München, wie dem Museumsstüberl im Bier- und Oktoberfestmuseum oder im Wirtshaus am Bavariapark, in Freiham nicht. Die EHWS betreibt den Standort im Münchner Westen selbst. Apropos Biermuseum: Einige Exponate von dort sind nun dauerhaft in den Räumlichkeiten in Freiham zu besichtigen. Gleich im Eingangsbereich ist eine historische Biertafel aus dem Augustiner Stammhaus zu sehen, die jetzt als Wegweiser für die Räumlichkeiten des Hauses dient. In einem Gastraum können alte Bierkrüge vom Augustiner Bräu sowie eine Sammlung von Messing-Zapfhähnen aus verschiedenen Zeiträumen bewundert werden. 

Liebe zum Detail in den Gasträumen 

Die Bilder an den Wänden und andere Accessoires in den Räumen des Hauses stammen vom  ehemaligen Augustiner Direktor, Ferdinand Schmid, dessen komplette, umfangreiche Sammlung an die Stiftung vererbt wurde. In einem Raum können die Gäste sogar in einem Beichtstuhl Platz nehmen. Er ist ebenfalls eine Reminiszenz  an den ersten Stiftungsvorsitzenden Schmid. Zu seinen Lebzeiten wollte er, dass bei der Einrichtung von Augustiner Gaststätten mindestens ein Gegenstand einen Bezug zur Umgebung hat. Da habe es nahe gelegen, mit dem Beichtstuhl die Verbindung zur gegenüber liegenden Heilig-Kreuz-Kirche herzustellen, die 2016 von der Stiftung denkmalgerecht wieder instand gesetzt wurde, erklärt Stiftungsvorstand Liebhäuser. Denn in dieser Filialkirche finden auch Gottesdienste statt, können kirchliche Hochzeiten gefeiert oder auch Beichten abgenommen werden. 

Stiftungsgasthaus "Zum Gustl" in Freiham
Stiftungsgasthaus “Zum Gustl” in Freiham – Die Gäste können auch im Beichtstuhl Platz nehmen, es wird garantiert, dass keine Beichte abgenommen wird

Im größten Gastraum im Erdgeschoss steht in der Mitte des Raumes als Stütze eine schwarze Eisensäule. Sie ist ein Originalstück aus dem historischen Bestand der Brauerei in der Landsberger Straße. Momentan wird im dem neu eröffneten Gebäude lediglich das Erdgeschoss mit insgesamt 130 Sitzplätzen bewirtschaftet. Später kommen dann im ersten Stock weitere Zimmer und Stuben hinzu. Sogar einen Tanzboden wird es dort geben und ein Bräustüberl darf auch nicht fehlen. Vor der Wirtschaft lädt bei schönem Wetter ein großer Gastgarten unter dem großen Maibaum zum Verweilen ein. 

Der Schweinebraten kostet 13,28 Euro 

Die Speisekarte bietet hauptsächlich typische bayerische Kost ergänzt mit einigen Gerichten aus der gehobenen Gastronomie. Der Klassiker Schweinebraten mit Jus, Knödel und Speck-Krautsalat kostet 13,28 €. Eingeweihten Augustiner-Fans sagt diese krumme Zahl auch etwas: 1328 war das Gründungsjahr der ältesten Brauerei Münchens. Wirtshaus-Klassiker wie die Kalbfleisch-Pflanzerl mit Kartoffel-Gurkensalat und Jus (10,50 €), Kaspressknödel aus Bergkäse, Apfelblaukraut und braune Butter (9,30 €) oder Saures Lüngerl vom Kalb mit Serviettenknödel (9,50 €) belasten das Ausflugsbudget ebenfalls nicht besonders.

Das gilt auch für die Brotzeiten, sei es ein Münchner Wurstsalat mit roten Zwiebeln und Essiggurken (6,90 €) oder der Vorarlberger Bergkas mit Feigensenf, Butter und eingelegten Nüssen (8,90 €). Zu den Brotzeiten wird Brot aus der Hausbäckerei serviert, eine Breze gibt es für 1,20 €. 

Der Küchenchef empfiehlt außerdem als Vorspeise das Rindertartar mit geröstetem Blumenkohl (16,90 €) oder den Ziegenkäste mit Beete, Spinat, Birne und Walnuss (11,90 €). Empfehlungen für das Hauptgericht sind die Lachsforelle mit zweierlei Sellerie und schwarzer Nuss (21,40 €), geschmorte Hirschkeule mit Rosenkohl und Haselnuss-Spätzle (18,90 €) oder Teigtascherl Spinat-Ricotta mit Salbeibutter und Kirschtomaten (14,90 €). 

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Gastraum im Stiftungsgasthaus “Zum Gustl” im Gut Freiham in München

Bei der Nachspeise begeistern vor allem das Weißbiertiramisu mit Brezenkrusteln (6,20 €) und der karamellisierte Kaiserschmarrn mit Apfelragout (9,80 €). Das Preisniveau soll übrigens auch im Vollbetrieb später so gehalten werden, verspricht Stiftungschef Liebhäuser. Was übrigens auch für die Halbe Augustiner vom Holzfass für 3,90 € gelten wird. 

Offizielle Eröffnungsfeier erst im nächsten Jahr

Ideal für den Familienausflug ist der große Erlebnisspielplatz mit riesiger Holzpferdrutsche, Netzschaukel und Spielhaus neben der Wirtschaft. Er soll nicht das einzige Eldorado für die Kleinen bleiben. Es sind weitere für verschiedene Altersgruppen geplant und es wird sogar künftig einen Indoor-Spielplatz geben, der im Gebäude nebenan aufgebaut werden wird. Außerdem sind dort im ehemaligen Stadel ein großer Veranstaltungssaal und sogar ein Museum geplant, in dem die Geschichte des Gutes Freiham aufgearbeitet werden wird. Der große Biergarten davor und die Brennerei gegenüber komplettieren dann das Ausflugsziel. Der Biergarten soll mit Saisonbeginn im Frühjahr eröffnet werden. Dann wird auch die offizielle Eröffnungsfeier für die Gastronomie stattfinden. 

Wenn alle Gebäude in Betrieb sind, plant die Stiftung, Führungen über das Gut Freiham anzubieten.  Dann wird es auch möglich sein, nicht nur das Museum zu besichtigen, sondern auch einen Blick in die Fassmanufaktur, den Pferdestall und das Schloss zu werfen sowie Verkostungen in der Brennerei zu genießen.

Stiftungsgasthaus “Zum Gustl”

Täglich geöffnet von 11 bis 22 Uhr

Freihamer Allee 23 b
D-81249 München
Telefon (089) 23 23 911 00
E-Mail stiftungsgut@ehw-stiftung.de

Zur Geschichte vom Gut Freiham:

1136 wurde Freiham zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1390 war es ein Dorf mit 15 kleinen Bauernhäusern und einer Kirche. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde es dann als wirtschaftliches Gut verzeichnet. Das Schloss wurde im 17. Jahrhundert gebaut. 1887 erwarb Reichsrat Hugo von Maffei das Gut, der von seinem Onkel die in der Hirschau gelegene Lokomotiv- und Maschinenfabrik geerbt hatte. Er errichtete die Schnapsbrennerei und den Gasthof. 

1942 wurde Aubing mit Freiham nach München eingemeindet. 1966 hat die Stadt München auf Initiative von Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel die Flächen des jetzigen Neubaugebietes als Bauvorratsland gekauft. Das Schloss wurde vom amerikanischen Milliardär Rex Maughan gekauft, aufwändig saniert und als Firmensitz für die Kosmetikfirma “Forever Living Products” genutzt. 

2014 wurde der Gutshof mit Kirche und Wirtschaftsgebäuden an die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung veräußert, die das denkmalgeschützte Gut schrittweise revitalisiert. 2021 konnte die Stiftung auch das Schloss erwerben, die es als Tagungsgebäude nutzt. 

Fotostrecke mit ersten Eindrücken aus dem Stiftungsgasthaus “Zum Gustl” 

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