München Klinik appelliert: In Notfall nicht zögern – aus Angst vor Corona nicht Lebensgefahr in Kauf nehmen

Anzeichen für Schlaganfall oder Herzinfakt – normalerweise wird sofort der Notarzt gerufen. Die München Kliniken stellen nun fest, dass sich viele bewusst in Lebengefahr begeben, weil sie aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus im Krankenhaus in solchen Situationen keine Hilfe holen. 

Die München Klinik ist der größte Notfallversorger der Stadt München und versorgt in ihren vier großen Notfallzentren jedes Jahr rund 160.000 Notfallpatienten und damit über 40 Prozent der Notfälle der bayerischen Landeshauptstadt. Der kommunale Klinikverbund hat immer betont und betont angesichts der Corona-Krise erneut: In den Notfallzentren werden schwer und lebensbedrohlich erkrankte Menschen versorgt. Die Notfallversorgung in den vier Notfallzentren der München Klinik mit Standorten in Bogenhausen, Schwabing, Harlaching und Neuperlach steht vollumfänglich zur Verfügung und ist in der aktuellen Covid-19-Pandemie gesichert – im medizinischen Notfall mit akut einsetzender oder schwerer Symptomatik sollte umgehend der Notruf 112 gewählt oder ein Notfallzentrum aufgesucht werden. Das gilt sowohl für Erwachsene als auch Kinder.

„Wir beobachten aktuell eine besorgniserregende Entwicklung – einige Menschen haben Angst, sich in Krankenhäusern mit Sars-CoV-2 zu infizieren oder nicht behandelt zu werden, und zögern deshalb dringend lebensnotwendige Behandlungen hinaus. Dieses Zögern ist die eigentliche Gefahr – denn im Notfall zählt jede Minute. Als Mediziner richten wir deshalb einen dringenden Appell an die Münchner: Wenn es Ihnen plötzlich sehr schlecht geht oder Sie akute Schmerzen haben: Bitte zögern Sie nicht und wählen Sie den Notruf 112. Nur wenn wir Sie rechtzeitig sehen, können wir Ihnen gut helfen“, sagt Prof. Ellen Hoffmann, Chefärztin der Klinik für Kardiologie und internistische Intensivmedizin an der München Klinik Bogenhausen und Schwabing.

Darauf weisen auch die kardiologischen Fachgesellschaften in einem gemeinsamen Schreiben an die Bildungs- und Forschungsministerin Anja Karliczek hin: Akute lebensbedrohliche Herzerkrankungen bedürfen einer Notfall-Versorgung im Krankenhaus in der Kardiologie, Herzchirurgie und auch Kinderkardiologie. Kein Patient sollte aus Angst vor einer Infektion mit dem Corona-Virus auf die zwingend notwendige medizinische Hilfe in einem Krankenhaus verzichten.

Wann wähle ich die 112 oder gehe in die Notaufnahme?

Wer dringend ärztliche Hilfe benötigt, sollte nicht zögern die Notrufnummer 112 zu wählen oder in die nächstgelegene Notaufnahme zu gehen. Das gilt insbesondere bei lebensbedrohlichen und schweren Erkrankungen, wie bei Verdacht auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Akut eintretende, schwere Bauchschmerzen können ebenfalls Hinweis auf eine schwere Erkrankung wie eine Blinddarmentzündung, eine akute Gallenblasenentzündung oder einen Darmverschluss sein und bedürfen der umgehenden medizinischen Abklärung. Auch Unfall- oder Brandverletzungen, Knochenbrüche, hoher Blutverlust, Kopfverletzungen und (Blut-) Vergiftungen sind Notfälle und müssen umgehend behandelt werden.

So erkenne ich einen herzmedizinischen Notfall:

Akut lebensbedrohliche Herzerkrankungen bedürfen einer sofortigen Abklärung und Behandlung im Krankenhaus. Bei Herzschmerzen, Luftnot oder einem Engegefühl im Brustbereich sollten Betroffene oder deren Angehörige umgehend die Notrufnummer 112 wählen, da es sich um einen Herzinfarkt oder eine andere akute Herzerkrankung handeln könnte. „Im herzmedizinischen Notfall ist eine sofortige Behandlung unerlässlich, um schwere Folgen womöglich bis zum Todesfall zu vermeiden. Die kardiologische und herzchirurgische Versorgung von Notfallpatienten ist in unserem Herzzentrum sichergestellt – wer dringend einen Eingriff oder eine Operation am Herzen benötigt, erhält umgehend die Behandlung, die er braucht. Auch Menschen mit Vorerkrankungen, die eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes bemerken, sollten nicht zögern zu uns zu kommen, da es sich um eine lebensbedrohliche Situation handeln könnte“, betont Dr. Markus Deichstetter, Leitender Oberarzt der Klinik für Kardiologie und internistische Intensivmedizin der München Klinik Bogenhausen.

So erkenne ich einen Schlaganfall:

Auch der Schlaganfall (Hirninfarkt) ist ein Notfall, bei dem eine umgehende medizinische Behandlung unerlässlich ist – denn beim Schlaganfall sterben pro Minute rund 1,9 Millionen Nervenzellen. Zu den typischen Symptomen gehören das plötzliche Auftreten eines Taubheitsgefühls, einer Halbseitenlähmung, Sprachstörungen, Verschlechterung der Sehfähigkeit oder Doppelbilder. Je schneller die Diagnose und erste Therapiemaßnahmen eingeleitet werden, umso höher sind die Heilungschancen. Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall sind Notfallpatienten, die in einem spezialisierten Zentrum mit sogenannter Stroke Unit behandelt werden müssen. Die München Klinik ist an zwei Standorten in Bogenhausen und Harlaching mit zertifizierten Stroke Units auf die Behandlung von Schlaganfällen spezialisiert. Neurologische Notfallpatienten werden hier weiterhin vollumfänglich betreut und versorgt.

Getrennte Patientenströme in den Notfallzentren

In den Notaufnahmen der München Klinik besteht für Notfallpatienten kein erhöhtes Risiko einer Sars-CoV-2-Infektion. Alle Notfallpatienten werden umgehend auf Verdachtssymptome untersucht – Menschen mit Verdacht auf eine Covid-19-Erkrankung erhalten umgehend einen Mund-Nasen-Schutz und werden von Notfallpatienten ohne Covid-19-Verdacht bis zum vorliegenden Testergebnis in getrennten Bereichen separiert. Auch für die weitere klinische Behandlung hat die München Klinik getrennte Behandlungspfade etabliert. An den Standorten Schwabing und Bogenhausen hat die München Klinik als zusätzliche Schutzmaßnahme Triage-Zelte vor den Notfallzentren aufgestellt, sodass Personen mit Verdacht auf eine Covid-19-Erkrankung und entsprechender Symptomatik außerhalb der Notaufnahmen untersucht und diagnostiziert werden können.

Notfallzentren sind keine Covid-19-Teststationen

Um Wartezeiten zu vermeiden, sollten Menschen, die keine lebensbedrohliche Erkrankung haben oder eine bereits länger bestehende, nicht akut eintretende Symptomatik abklären lassen möchten, tagsüber unter der Woche ihren Hausarzt kontaktieren. Außerhalb der regulären Öffnungszeiten sind die ärztlichen Bereitschaftspraxen (Standorte und nähere Informationen: www.116117.de) oder der Bereitschaftsdienst unter Tel. 116117 der richtige Ansprechpartner. Weiterhin richtet die München Klinik einen Appell an alle Menschen mit leichten, grippeähnlichen Symptomen, die befürchten an Covid-19 erkrankt zu sein: Die Notfallzentren sind keine Covid-19-Teststationen. Menschen mit Verdacht auf Covid-19 sollten aus Rücksicht auf schwer erkrankte Notfallpatienten und das Klinikpersonal nicht in die Notfallzentren kommen. Die Testung erfolgt ambulant über den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Generell sollten Menschen mit Verdacht auf Covid-19 zuhause bleiben und sich telefonisch informieren – unter Tel. 116117 oder den regional eingerichteten Corona-Hotlines.

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