Greenpeace Aktion in der Arena: Blitzschutzseil wird dem geistigen Tiefflieger zum Verhängnis

Zwei Personen wurden am Kopf verletzt, als ein Aktivist von Greenpeace am Dienstagabend in der München Arena vor Anpfiff des Europa-Meisterschaftsspiels Deutschland gegen Frankreich auf dem Rasen notlanden musste. Er hatte ein Blitzschutzseil übersehen und berührte es mit dem Gestänge des Motorschirms. Daraufhin klappte der Gleitschirm seitlich ein und der Pilot verlor schnell an Höhe. 

Greenpeace-Aktivist mit Motor-Gleitschirm über der München Arena - kurz darauf kollidiert er mit einem Blitzschutzseil und muss am Rasen notlanden - 2 Personen werden am Kopf verletzt Quelle Foto: Imago/Kolbert-press/Ulrich Gamel
Greenpeace-Aktivist mit Motor-Gleitschirm über der München Arena – kurz darauf kollidiert er mit einem Blitzschutzseil und muss am Rasen notlanden – Zwei Personen werden am Kopf verletzt, Quelle Foto: Imago/Kolbert-Press/Ulrich Gamel

Nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das von Spielern und Zuschauern in der München Arena hat ein 38-jähriger Greenpeace Aktivist aus Baden-Württemberg am Dienstagabend gefährdet. Sein Plan: Mit dem Motor-Gleitschirm über die Allianz Arena fliegen, einen großen Ball mit einer Botschaft gegen den EM-Sponsor VW abzuwerfen, wieder Gas zu geben und sich aus dem Staub zu machen. 

Stufe 1 des Plans mit dem Abwurf des gelben Balls funktionierte noch. Der geistige Tiefflieger von Greeenpeace hatte aber wohl nicht bedacht, dass zwei Blitzschutzkabel quer über das Arenadach gespannt sind. Er warf den gelben Ball ab und wollte durchstarten. Als er das Kabel bemerkte, streckte er seine Fuße schnell um 90 Grand nach vorne, um das es nicht zu berühren. Im Video, das Max Merrill in Twitter postete (siehe unten), ist dann deutlich zu sehen, dass das Gestänge des Motorschirms am Rücken des Piloten das Stahlseil touchierte. Der Rucksack wurde in die Höhe gerissen, der Pilot kippte kurz vorn über und der Gleitschirm klappte auf einer Seite ein. Durch das Trudeln verlor er schnell an Höhe. Dadurch konnte er nicht mehr über das Stadiondach hinaus zu fliegen. In mehreren Medien in München wurde fälschlicherweise berichtet, dass er mit dem Kabel einer sogenannten Spider-Cam kollidiert sei. Diese verlaufen jedoch wesentlich tiefer im Stadion.

Zwei Personen im Stadion verletzt

Der Schirm verlor schnell an Höhe und nahm in der Geschwindigkeit stark zu. Der Pilot flog direkt auf die Nordkurve mit den französischen Fans zu. Er musste eine starke Linkskurve einleiten, um nicht mit in die Menschenmassen zu fliegen. Dadurch sackte er weiter ab, zog wieder die Beine an und erwischte mit dem Gestänge des Propellers zwei Personen, die verletzt wurden. 

Es handelt sich um einen 42-jährigen Ukrainer, der zur stationären Behandlung in einem Münchner Krankenhaus aufgenommen wurde und im Laufe des heutigen Tages das Krankenhaus wieder verlassen konnte. Die andere verletzte Person war ein 36-jähriger Franzose, der nach einer ambulanten Behandlung in einem Münchner Krankenhaus dieses danach wieder verlassen konnte.

Dann legte der Greenpeace Aktivist auf dem Spielfeld eine Bruchlandung hin.  Der Pilot blieb unverletzt. 

Wo der Paraglider gestartet ist, will die Polizei noch klären. Das Fluggerät wurde sichergestellt. Ein Polizeisprecher zu dem Vorgang: ” Wir haben keinerlei Verständnis für solche unverantwortlichen Aktionen gibt, bei denen eine erhebliche Gefährdung von Menschenleben in Kauf genommen wird.”

Die Münchner Polizei macht noch einmal deutlich, dass sie sich für den Einsatz rund um die Euro 2020 auf verschiedene Störszenarien auch im Luftraum vorbereitet und kann entsprechend reagieren, um die Gefahren schnell abwehren zu können. Jedoch hat die Polizei hier nur sehr wenig Zeit, um die Art der Störung bewerten zu können und zu entscheiden, welche Gegenmaßnahmen ergriffen werden. In diesem Zusammenhang kann im Nachhinein festgehalten werden, dass sich der 38-Jährige bei seiner Aktion einem hohen Risiko ausgesetzt hat. 

Innenminister Joachim Herrmann hat gegenüber dem Boulevardblatt Bild erklärt, man habe nur aufgrund der Aufschrift “Greenpeace” auf dem Gleitschirm darauf verzichtet, dass Scharfschützen eingegriffen hätten. Was viele Twitter-User übrigens mit Kommentaren quittieren, dass sich Attentäter davon inspirieren lassen könnten, sich künftig als Umweltaktivisten zu tarnen. 

Das größte Strafmaß droht dem Täter nach dem Luftverkehrsrecht 

Gegen den tatverdächtigen Piloten, einen 38-Jährigen mit Wohnsitz in Pforzheim, wird wegen eines Verstoßes gegen das Luftverkehrsgesetz, einer gefährlichen Körperverletzung, einer Gefährdung des Luftverkehrs und eines Hausfriedensbruchs ermittelt. Er wurde nach der kriminalpolizeilichen Sachbearbeitung sowie einer Überprüfung etwaiger Haftgründe wieder entlassen.

Ein Gleitschirm mit Motor gilt nach Luftverkehrsrecht als Ultraleicht-Flugzeug. Das Bundesverkehrsministerium hat während der Fußball-Europameisterschaft in München für den Luftraum um die Arena Beschränkungen erlassen. Diese gelten an den Spieltagen jeweils von 15 bis 24 Uhr. Die seitliche Begrenzung ist ein Kreis von drei nautischen Meilen um das Stadion, was etwa 5,5 Kilometer entspricht. Vertikal gilt ein Flugverbot vom Grund bis zur Flugfläche 100, was etwa 3000 Meter entspricht. Zuwiderhandlungen werden nach § 62 des Luftverkehrsgesetz verfolgt. Das bedeutet eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe. Wird die Tat als fahrlässig eingestuft, drohen dem Piloten eine Freiheitsstrafe bis sechs Monate oder eine Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen. 

Greenpeace entschuldigt sich halbherzig 

Greenpeace hat noch am Abend nach dem Vorfall in einer Pressemitteilung erklärt : „Wir entschuldigen uns dafür, dass diese Demonstration nicht wie geplant verlief und dass dabei offenbar jemand verletzt wurde. Das war nie unsere Absicht. Der Gleitschirm sollte über das Stadion fliegen und einen Latexball mit einer Protestbotschaft auf das Spielfeld sinken lassen. Technische Schwierigkeiten führten dazu, dass der Pilot zur Landung im Stadion gezwungen wurde. Wir bedauern zutiefst, dass dadurch Menschen in Gefahr gebracht und offenbar verletzt wurden.” Zur Straftat des verbotenen Fluges in dem Flugbeschränkungsgebiet äußert sich die Umweltorganisation nicht. 

Die Reaktionen in den sozialen Medien auf die Greenpeace-Aktion ist fast einstimmig vernichtend negativ. Comedian Ingmar Stadelmann twittert: “Ich glaube, Greenpeace hat das Wort Bärendienst heute noch mal neu definiert.” Der CDU-Abgeordnete Norbert Röttgen schreibt: “Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Im Gegenteil: Weil Klimaschutz so wichtig ist, gilt hier besonders darauf zu achten, die Gesellschaft mitzunehmen und nicht durch gefährliche Aktionen abzuschrecken.” Der grüne Münchner Bundestagsabgeordnete fordert: “Aktion war fehlgeleitet, muss aufgearbeitet werden.” CSU-Generalsekretär Markus Blume will der Umweltorganisation sogar die Gemeinnützigkeit entziehen. 

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