OEZ-Amokläufer: Reise im Fernbus nach Marburg zum Waffenkauf

Der Waffenhändler, der dem OEZ-Amokläufer Ali David S. die Pistole über das Darknet verkauft hatte, ist von einer Spezialeinheit des Zollkriminalamtes Köln am 16. August 2016 in Marburg festgenommen worden. Der 31-Jährige Waffenlieferant hat sich bei einem Scheingeschäft gegenüber verdeckten Ermittlern damit gebrüstet, dass er den Münchner Amokläufer beliefert hat. Die Pistole Glock 17 sowie 350 Patronen hat er Ali David S. bei Treffen im Mai und und Juli 2016 persönlich in Marburg übergeben. Der war zweimal mit einem Fernbus dorthin gereist, hat das Bayerische Landeskriminalamt inzwischen ermittelt.

Symbolbild sichergestellte Waffen Quelle Foto Zollkriminalamt Köln
Symbolbild sichergestellte Waffen
Quelle Foto Zollkriminalamt Köln

Ali David S. ist zweimal nach Marburg gereist, um die Tatwaffe und die Munition für seinen Amoklauf am 22. Juli 2016 im Olympia-Einkaufszentrum in München persönlich zu übernehmen. Die Schusswaffe Glock 17 hat ein 31-jähriger Waffenhändler anlässlich eines Treffens in Marburg am 20. Mai 2016 und 350 Patronen im Kaliber 9m19mm bei einem zweiten Treffens in Marburg am 18. Juli 2016 an Ali David S. für insgesamt 4.350 Euro verkauft.  Nur vier Tage nach dem Erhalt der Munition hat der Amokschütze am OEZ neun Menschen getötet.

Ins Rollen gekommen waren die Ermittlungen durch zwei andere Waffenverkäufe über das Darknet. Der Marburger, ein arbeitsloser Verkäufer,  hatte einen 62-jährigen Buchhalter aus Nordrhein-Westfalen und einen 17-jährigen Schüler aus Hessen mit Waffen und Munition versorgt. Der 62-jährige soll anlässlich eines Treffens am 4. Juni 2016 in Marburg von dem mutmaßlichen Waffenhändler eine Pistole und 100 Patronen im Kaliber 7,65mm im Tausch gegen eine Pistole und 97 Patronen im Kaliber 9x19mm erworben haben. Die eingetauschte Pistole nebst Munition konnte anlässlich der Durchsuchung der Wohnung des 62-jährigen im Regierungsbezirk Amsberg am 27. Juli 2016 aufgefunden und sichergestellt werden. Der 17-jährige Tatverdächtige soll anlässlich eines Treffens in der ersten Julihälfte 2016 in Marburg von dem mutmaßlichen Waffenhändler ein Repetiergewehr Karabiner Modell 1931 und 157 Patronen im Kaliber 7,5mm zum Preis von 1.150 EUR erworben haben. Beides konnte anlässlich der Durchsuchung des Zimmers des 17-jährigen in der elterlichen Wohnung in Nordhessen in der Nacht vom 2. auf den 3. August 2016 aufgefunden und sichergestellt werden. Des Weiteren wurden in der Wohnung der Eltern des 17-Jährigen dort eine Pistole Walther PK 380, drei Gewehre verschiedener Kaliber, vier Revolver verschiedener Kaliber, weitere 175 Patronen verschiedener Kaliber und ca. fünf Kilogramm Schwarzpulver gefunden und sichergestellt.

Im Anschluss wurden umgehend die Ermittlungen zur Identifizierung des mutmaßlichen Waffenhändlers aufgenommen. Der Kontakt zwischen ihm und seinen beiden Kunden war über einschlägige Internetforen im “Darknet” zustande gekommen. Die Kommunikation zur Vorbereitung der Geschäfte erfolgte unter Nutzung des Verschlüsselungsprotokolls “Bitmessage”, das einen anonymen Austausch von E-Mail-ähnlichen Nachrichten in einem Peer-to-Peer-Netzwerk ermöglicht. Daraufhin wurde von verdeckten Ermittlern mit dem mutmaßlichen Waffenhändler ein Scheingeschäft über die Lieferung einer Maschinenpistole nebst 4 Magazinen mit insgesamt 700 Patronen und einer Pistole Modell Glock 17 (3. Generation) nebst 2 Magazinen mit 100 Patronen im Kaliber 9x19mm zum Gesamtpreis von 8.000 EUR vereinbart.

Im Zuge der Vorbereitung des Scheingeschäfts hat der Waffenhändler mitgeteilt, er habe die anlässlich des Amoklaufs in München am 22.7.2016 verwendete Pistole Modell Glock 17 nebst Munition an den Amokschützen geliefert. Die Angaben des Waffenhändlers werden durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München I und dem Bayerischen Landeskriminalamt gestützt. Demnach wurden bei der Wohnungsdurchsuchung bei Ali David S. Tickets für Fahrten mit einem Fernbus am 20. Mai und am 18. Juli 2016 nach Marburg gefunden.

Eine SEK-Einheit des Zolls hat dann am 16. August 2016 in Marburg den 31-jährigen deutschen Staatsangehörigen festgenommen, der dringend verdächtig ist, mit Schusswaffen und Munition illegal Handel getrieben und unter anderem die anlässlich des Amoklaufs in München am 22.7.2016 verwendete Tatwaffe und Munition geliefert zu haben. Er konnte bei der geplanten Übergabe der Schusswaffen aus dem Scheingeschäft verhaftet und die zum Verkauf bestimmte Maschinenpistole und Pistole Modell Glock 17 nebst Munition aus seinem in der Nähe abgestellten Auto sichergestellt werden. Außerdem wurde die 31-jährige Lebensgefährtin des Waffenhändlers ebenfalls verhaftet. Ihr konnte aber keine Beteiligung an dem Waffengeschäft nachgewiesen werden und sie ist inzwischen wieder aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Bei seiner Festnahme führte der mutmaßliche Waffenhändler in einem Schulterholster eine durchgeladene Pistole zur Eigensicherung bei sich. “Der Ermittlungserfolg beweist erneut, dass es im Internet keine lückenlose Anonymität und keinen vollständigen Schutz vor Strafverfolgung gibt.”, erklärt dazu Hans-Jürgen Schmidt, Pressesprecher des Zollfahndungsamtes in Frankfurt am Main, das für . Dies gelte auch für das sogenannte “Darknet”. Insbesondere Verstöße gegen das Waffengesetz, das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Betäubungsmittelgesetz können auch bei Ersttätern mit empfindlichen Strafen geahndet werden. “An dieser Tatsache vermag auch die vermeintliche Anonymität und Leichtigkeit, mit der im Darknet illegale Waren und Dienstleistungen aller Art erworben werden können, nichts zu ändern. Das Bewusstsein, sich für die im Internet begangenen Straftaten uneingeschränkt strafrechtlich verantworten zu müssen, muss sich künftig noch stärker entwickeln.”, so Schmidt weiter.

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