16. aDevantgarde-Festival GRENZEN

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Datum/Zeit
Date(s) - 03/06/2021 - 13/06/2021
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München, 3. bis 13. Juni 2021
16. aDevantgarde-Festival GRENZEN
Music Festival made by Composers
Leitung: Alexander Strauch und Markus Lehmann-Horn. Eine Veranstaltung von aDevantgarde e.V. in
Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München.
www.adevantgarde.de

Grenzen: Setzen. Überschreiten. Ignorieren. Stilistische Grenzen, Grenzen der Wahrnehmung,
physische Grenzen. Abgrenzung sprengen, um sich für Neues zu öffnen. Das 16. aDevantgardeFestival wendet sich, 30 Jahre nach seiner Gründung, frei von Berührungsängsten Facetten zu, die
das Wort „Grenze“ freisetzt. „Der menschlichen Wahrnehmung sind Grenzen durch die fünf Sinne
gesetzt. Akustische Ereignisse sind individuell von 12 HZ bis 20.000 HZ wahrnehmbar. Je nach
Wesensart des Klangs und kultureller Prägung der Hörenden werden sie kategorisiert, begrenzt. Man
kann sie physiologisch oder ästhetisch überschreiten“, stellen Markus Lehmann-Horn und Alexander
Strauch fest, die 2021 nun zum zweiten Mal zusammen das Festival leiten. „Menschliche
Gesellschaften verordnen sich Grenzen des Verhaltens. Das schafft mitunter Identität. Nach Außen
umgibt sich eine Gesellschaft mit Grenzen, die das Verhältnis zu benachbarten Gesellschaften
spiegeln. Dem gegenüber steht die Entgrenzung: im Künstlerischen oder Ästhetischen durchaus
inspirierend, in humanistischen Belangen möglicherweise fatal“.

Das Programm der aDevantgarde 2021 ist von diesen Überlegungen geprägt: Mit „No Borders“ tut
sich das Festival mit dem Münchener Kammerorchester zusammen, das in der Saison 20101/21 den
Begriff der „Nachbarschaft“ untersucht. Starre Grenzen will die Schlagzeugklasse Alexej Gerassimez
mit „Schlagend / POPulist“ im Verein von Komposition und Perkussion durchbrechen. „Music for Lost
Places“ überwindet das Schweigen eines verlassenen Ortes. Mit kurzen Tagebuchvertonungen aus
verschiedenen Epochen untersuchen Gordon Kampe, Katharina Schmauder, Fredrik Schwenk, Nélida
Béjar und Alexander Strauch die Grenzen der Zeit. Johannes X. Schachtner und Markus Schmitt
übersetzen Maurizio Kagels „Exotica“ als „Exkursion Alpin“ in den Kontext alpenländischen
Instrumentariums. KP Werani demonstriert mit „Viola Unlimited“, wie weit die Welt der Bratsche ist,
und der „Neue Hoagartn“ setzt den traditionellen Charakter des Musizierens als gesellschaftlich
verbindenden Akt fort, während das BR-Chorprojekt „Über die Grenzen“ Abgrenzungen aufhebt und
sie mit Werken von Rupert Huber, Robert Moran und Sandeep Bhagwati in ein utopisches
Miteinander überführt.
Die Hälfte aller Werke, die bei der 16. aDevantgarde auf dem Programm stehen, sind
Uraufführungen.

Programmübersicht | www.adevantgarde.de
Reservierung, Eintritt:
• Tickets: 17 € / erm. 10 € | Reservierung bei den Spielorten oder über www.adevantgarde.de
• Ticketerwerb vor Ort und Platzzuweisung ab 1 Std. vor Konzertbeginn
• Falls Live-Veranstaltungen mit Publikum pandemiebedingt untersagt sind, verfallen die
Voranmeldungen.
• Geplant ist, dass nahezu alle Veranstaltungen ca. 1 Woche nach dem Live-Termin gestreamt
werden.

Donnerstag, 03.06., 20.00 Uhr | Einstein Kultur | www.einsteinkultur.de
Der Neue Hoagartn
Werke von Caio de Azevedo, Narine Khachatryan, Tobias PM Schneid, Jakob Stillmark, Alexander
Strauch, Jörg Widmann, Peter Wittrich | Mit: Caio de Azevedo, The Hercules and Leo Case, Johannes
Gutfleisch, Ronja Sophie Putz, Andreas Skouras, Claire Sirjacobs, Martina Veh
Freitag, 04.06. & Samstag, 05.06., jeweils 16.00 Uhr und 18.00 Uhr | MUCCA | www.mucca.org
Music for Lost Places
Uraufführungen von Jakob Stillmark, Caio de Azevedo und Philipp C. Mayer | Mit: Brigitte Helbig
(Tastenistrumente), Tomas Topolski (Horn), Aleksandar Crnojević (Horn) sowie Mitglieder von
Singkreisel München
Sonntag, 06.06. & Montag, 07.06., jeweils 20.00 Uhr | Gasteig / Black Box | www.gasteig.de
Diaries2Music – Über die Grenzen der Zeit
Uraufführungen von Gordon Kampe, Katharina Schmauder, Fredrik Schwenk, Nélida Béjar und
Alexander Strauch | Mit Peter Schöne (Bariton), Sebastian Myrus (Bass) und Verena Maria Schmid
(Sopran) sowie Adrian Pereyra und Ruben Matia Santorsa (E-Gitarren)
Dienstag, 08.06., 20.00 Uhr | schwere reiter | www.schwerereiter.de
KP Werani: Viola Unlimited
Werke von Diana Syrse, Markus Muench, Philipp C. Mayer, Michael E. Bauer, Carl Christian Bettendorf
und Alexander Strauch
Donnerstag, 10.06., 20.00 Uhr | Reaktorhalle
Schlagzeugklasse Alexej Gerassimez: Schlagend / POPulist
Werke von Anna Korsun, Sergey Khismatov, Johannes X. Schachtner, Moritz Eggert sowie
Uraufführungen von Henrik Ajax, Martina Eisenreich, Hao Wu, Maksim Liakh, Markus Lehmann-Horn,
Nina Deuse, Christian Dieck, Arno Lücker und Yang Song
Freitag, 11.06., 20.00 Uhr & Sonntag, 13.06., 12.00 Uhr | Gasteig / Black Box
Mauricio Kagel / Johannes X. Schachtner, Markus Schmitt: EXOTICA: EXKURSION ALPIN
Mit: Ensemble aDevantgarde mit Babette Haag, Marlis Neumann, Salome Kammer, Moritz Eggert,
Matthew Sadler und Konstantin Esterl
Samstag, 12.06., 21.00 Uhr | Museum für Abgüsse antiker Bildwerke | http://abgussmuseum.de/
Chor des Bayerischen Rundfunks: Über die Grenzen
Werke von Rupert Huber, Robert Moran und Sandeep Bhagwati | Mit: Chor des Bayerischen
Rundfunks
Sonntag, 13.06., 20.00 Uhr | schwere reiter
Münchener Kammerorchester: (No) Borders
Werke von Samir Odeh-Tamimi, Markus Schmitt, Jakob Stillmark, Verena Marisa, Markus LehmannHorn, Markus Muench

ZUM PROGRAMM
Donnerstag, 03.06., 20.00 Uhr
Einstein Kultur
Der Neue Hoagartn
Werke von Caio de Azevedo, Narine Khachatryan, Tobias PM Schneid, Jakob Stillmark, Alexander
Strauch, Jörg Widmann, Peter Wittrich
Mit: Caio de Azevedo, The Hercules and Leo Case, Johannes Gutfleisch, Ronja Sophie Putz, Andreas
Skouras, Claire Sirjacobs, Martina Veh
Mit dem „Neuen Hoagartn“ kreierte das aDevantgarde-Festival 2019 ein frisches, ungezwungenes
Forum, das die Grenzen zwischen Publikum und Musikmachenden aufhebt. Komponierende,
Musizierende und Denkende der Münchner Szene treffen in offener Atmosphäre auf ein offenes
Publikum. Die Akteure präsentieren ohne Hemmschwellen Teile bestehender, neuer oder geplanter
Projekte in Wort und Klang, als Widmung an die Stadt als Ort kreativer und sozialer Diversität.
Programm
Caio de Azevedo – Pas de Deux, daraus 2. Szene für Violine und Violoncello (2014)
The Hercules and Leo Case – OlolO (Zu Wasser)
Narine Khachatryan – Monolog für Oboe und Klavier (2020, UA)
Tobias PM Schneid – Aria für Violoncello solo (2011)
Jakob Stillmark – Sarabande für Violine solo (2019)
Alexander Strauch – Dresden, Frauenkirche, 22. Juni 2004: Der Tag des neuen Turmkreuzes für Klavier solo
(2020 UA)
Martina Veh – Lesung aus Texten von Pier Paolo Pasolini und STUMMFILM 2020
Jörg Widmann – Fragment in C für Klavier solo (2001)
Peter Wittrich – Grand final brillant aus Der fröhliche Landmann für Klavier solo (2010)
Förderer: Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München
Partner: Einstein Kultur
Zu den Werken
Caio de Azevedo – Pas de Deux für Violine und Violoncello
Pas de Deux wurde erstmals 2010 als einzelner Satz mit dem Titel “Roda” geschrieben. Im Jahr 2014
wurden 7 weitere Sätze dazu geschrieben. Das Stück wurde in ein kleines Ballett auf einem einfachen
und alltäglichen Bild verwandelt. Zwei Vögel landen am Fenster. Sie reden, tanzen und fliegen weg.
C.d.A.
The Hercules and Leo Case – OlolO (Zu Wasser)
Auszug aus: “Schwimmkunst erlernt in weniger als nur einer Stunde.” Der Mensch stammt vom
Frosch ab – dessen war sich Jean-Pierre Brisset, deliriöser Linguist des vorletzten Jahrhunderts, sicher.
Seine Studien zur fröschischen und französischen Sprache bilden den Ausgangspunkt für das Stück. H.
& L.C.

Narine Khachatryan – Monolog für Oboe und Klavier (2020, UA)
Die Komposition wurde 2020 für den 32. Siegburger Kompositionswettbewerb komponiert und in der
Kategorie B mit dem 3. Preis ausgezeichnet. Aus einem Monolog entsteht durch expressiven Einsatz
des Klaviers ein kontrastreicher Dialog oder sogar ein Trialog. N.K.
Tobias PM Schneid – Aria für Violoncello solo (2011)
Die ARIA für Cello solo könnte ein kurzer, melancholisch-nachdenklicher Gesang über die
Unwägbarkeiten des Lebens sein. Ob das so ist, oder auch etwas vollkommen anderes sein kann,
entscheidet der Hörer. Jeder für sich. T.PM .S.
Jakob Stillmark – Sarabande für Violine solo (2019)
“Sarabande” macht ganz subjektive Assoziationen, Abschweifungen und andere Imaginationen, die
man beim Hören des Bach-Originals so haben kann, hörbar. Man kann in dem Stück hören, wie
jemand anderes ein anderes Stück hört. J.S.
Alexander Strauch – Dresden, Frauenkirche, 22. Juni 2004: Der Tag des neuen Turmkreuzes für
Klavier solo (2020, UA)
Als Kind spielte ich Ende der 1970er auf dem mit Gras überwucherten Platz der Ruine der Dresdner
Frauenkirche. 2004 stiftete Prinz Philipp das Turmkreuz als Zeichen der Versöhnung. Überwand das
wirklich die alten Grenzen von Misstrauen und Feindschaft zwischen den ehemaligen
Weltkriegsgegnern? A.S.
Martina Veh – Lesung aus Texten von Pier Paolo Pasolini und STUMMFILM 2020
Pasolinis konsumkritische Schriften prägten die Debatten der70er Jahre. Heute entdecken wir ihn neu.
Wir selbst entdecken uns neu. In der Zeit des Shut-Down wendet sich der Blick von Kunstschaffenden
auf das eigene Dasein. STUMMFILM (10′) von M. Veh / C. Bodenstein / G. Geisse. M.V.
Jörg Widmann – Fragment in C für Klavier solo (2001)
Das Stück basiert auf einem C-Dur-Akkord. Aber kein einziger Akkord klingt nach C-Dur. Fremde,
andere Akkorde. J.W.
Peter Wittrich – Grand final brillant aus „Der fröhliche Landmann“ für Klavier solo (2010)
In den humoristischen Variationen über ein Thema von Robert Schumann lässt Peter Wittrich den
fröhlichen Landmann in verschiedene Rollen schlüpfen und begibt sich mit ihm auf eine Zeitreise vom
Barock bis zur Moderne. Die Variationen beschließt das Grand final brillant im aufgedrehten Geiste
des Virtuosentums des 19. Jahrhunderts.

Freitag, 04.06., 16.00 Uhr und 18.00 Uhr
Samstag, 05.06., 16.00 Uhr und 18.00 Uhr
MUCCA
Music for Lost Places
Uraufführungen von Jakob Stillmark, Caio de Azevedo und Philipp C. Mayer
Mit: Brigitte Helbig (Tastenistrumente), Tomas Topolski (Horn), Aleksandar Crnojević (Horn) sowie
Mitglieder von Singkreisel München
Lost Places sind vergessene, nicht mehr genutzte Bauwerke oder Orte aus jüngerer Geschichte,
deren Bedeutung noch nicht aufgearbeitet wurde oder die sich dem allgemeinen Interesse
entziehen. Sie haben ihre ursprüngliche Funktion verloren und bilden einen stummen Kontrapunkt
zur funktionellen, sich ständig wandelnden Stadt – wie das Gelände des schwere reiter. Ein Lost Place
wird verschwinden, ein neuer Ort wird entstehen.
Der Charakter des Ortes wird durch Kompositionen interpretiert, die die Aufmerksamkeit auf
spezifische Spots lenken. Das Publikum erfährt und erlebt das Gelände als akustische Installation, die
die Besucher einlädt, sich den Klangquellen wie Protagonisten zu nähern – so, wie sich die
Komponist*innen der Akustik des Ortes, dem Verhältnis zwischen Präsenz und Absenz zuneigen. Der
verlassene Ort wird so wiederbelebt und seiner Stummheit entrissen.
Programm
Caio de Azevedo – Lost Places (Ouvertüre) für zwei Hörner und Klavier mit Elektronik (2021, UA)
Philipp C. Mayer – Die Ziegen sind weg, sie leben jetzt woanders für zwei Hörner und Klavier mit
Elektronik sowie Chor (2021, UA)
Jakob Stillmark – Vergessen, dass… für zwei Hörner und Klavier mit Elektronik sowie Chor (2021, UA)
Förderer: Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München.
Gefördert von Musikfonds mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien,
vom Bezirk Oberbayern und der Kulturstiftung der Stadtsparkasse München
Partner: MUCCA – Munich Center of Community Arts
Zu den Werken
Caio de Azevedo – Lost Places (Ouvertüre) (2021, UA)
Eine surrealistische und unsichtbare Fanfare für eine vergangene Zeit. C.d.A.
Philipp C. Mayer – Die Ziegen sind weg, sie leben jetzt woanders (2021, UA)
Eine Auseinandersetzung mit einem „Lost Place“, der sich möglicherweise unweit von meinem
Elternhaus befindet und der Frage, was es heißt, eine künstlerische Arbeit über einen Ort zu machen,
der eigentlich nicht betreten werden darf – und der ein anderer wird, sobald er betreten wird. P.C.M.
Jakob Stillmark – Vergessen, dass… (2021, UA)
Was passiert, wenn historisch aufgeladene Klänge zu “Lost Places” werden? Wie könnte es klingen,
wenn sich die Natur der Denotationen von archetypischen Klängen (wie bspw. einem Dur- oder
Molldreiklang) langsam aber sicher entledigt? Wie klingt das Unkraut der Musikgeschichte? J.S.

Sonntag, 06.06., 20.00 Uhr
Montag, 07.06., 20.00 Uhr
Gasteig / Black Box
Diaries2Music – Über die Grenzen der Zeit
Uraufführungen von Gordon Kampe, Katharina Schmauder, Fredrik Schwenk, Nélida Béjar und
Alexander Strauch
Mit: Peter Schöne (Bariton), Sebastian Myrus (Bass) und Verena Maria Schmid (Sopran) sowie Adrian
Pereyra und Ruben Matia Santorsa (E-Gitarren)
Die individuellste Ausdrucksform ist das Tagebuch. Intimes wie Alltägliches wird durch die
Schreibenden von Tag zu Tag komprimiert festgehalten. Wer beispielsweise die Tagebücher von
Samuel Pepys oder Nélida Béjar, das Logbuch von Christoph Kolumbus oder Arthur Conan Doyles
Aufzeichnungen liest, vor dem breitet sich ein Panorama unterschiedlicher Zeitläufte aus.
In den Auftragskompositionen für „In Diaries2Music“ befassen sich Gordon Kampe, Katharina
Schmauder, Fredrik Schwenk, Nélida Béjar und Alexander Strauch mit der Vertonung von TagebuchAusschnitten. Deren Komprimierung findet sich in der kompakten Besetzung des Projekts wieder: Die
Sänger*innen singen a capella, begleiten sich selbst mit Alltagsgegenständen oder werden von der EGitarre flankiert.
Programm
Nélida Béjar – Until next spring für Sopran und E-Gitarre (2021, UA)
Gordon Kampe – Dienstag, 13. April: Keine Robben für Bariton und E-Gitarre (2021, UA)
Katharina Schmauder – Schrödingers Alm für Sopran solo (2021, UA)
Peter Schöne – Zeh für zwei Sänger und von ihnen gespielte Instrumente (2021, UA)
Fredrik Schwenk – Diario de a bordo del primer viaje de Cristóbal Colón 1492 für Bass, (E-)Gitarre
und Zuspielungen (2021, UA)
Alexander Strauch – The Diary of Samuel Pepys in 1666 (Neufassung) für Sopran, Bariton, E-Gitarre
und Alltagsgegenstände (1993/2021, UA)
Förderer: Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München.
Gefördert vom Musikfonds mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und
Medien, vom Bezirk Oberbayern, der Ernst von Siemens Musikstiftung, der GEMA-Stiftung und dem
Förderungs- und Hilfsfonds des Deutschen Komponistenverbands
Partner: Gasteig München
Zu den Werken
Nélida Béjar – Until next spring für Sopran und E-Gitarre (2021, UA)
“Until next spring” ist meinem Vater gewidmet, der während der Corona-Pandemie fortgeschrittene
Demenz entwickelte und in ein Pflegeheim umzog. Als alter Mann, als er noch gesund war, schwamm
er fast täglich im Meer, abends, nach Anbruch der Dunkelheit. Der Text stammt aus eigenen
Tagebucheinträgen. N.B.
Gordon Kampe – Dienstag, 13. April: Keine Robben für Bariton und E-Gitarre (2021, UA)
Wieder keine Robben! Oft sehr ärgerlich für Sir Arthur Conan Doyle, den Sherlock Holmes-Erfinder.
1880 war er auf einem Walfänger unterwegs. Manchmal schoss er Robben, oft war auch sonst das
Wetter mies. Trockener hat wohl kaum einer über solch feuchte Gegenden berichtet. G.K.
Katharina Schmauder – Schrödingers Alm für Sopran solo (2021, UA)
Eine Frau in der Isolation, selbst gewählt. Selbst gewählt? Inspiriert von “Die Wand” von Marlen
Haushofer ist diese Musik ein Kammerspiel entlang eines fiktiven Tagebuchs. Libretto: Levin
Handschuh. K.S.

Peter Schöne – Zeh für zwei Sänger und von ihnen gespielte Instrumente (2021, UA)
Zwei C-Tagebuch-Ausschnitte aus einer absurden Zeit. Zwei Stimmen.
Zwei Instrumente.
Zwei Performer. P.S.
Fredrik Schwenk – Diario de a bordo del primer viaje de Cristóbal Colón 1492 für Bass, (E-)Gitarre
und Zuspielungen (2021, UA)
Ausgewählte Originaltexte aus dem Logbuch der ersten Reise des Kolumbus in der überlieferten
Abschrift von Bartolomé de Las Casas (1474-1566) wurden in Form eines Pasticcios für Singstimme
und Gitarre mit elektroakustischen Einspielungen gesetzt, inspiriert durch frühbarocke
Generalbasslieder. F.S.
Alexander Strauch – The Diary of Samuel Pepys in 1666 Neufassung für Sopran, Bariton, E-Gitarre
und Alltagsgegenstände (1993 / 2021, UA)
Pepys Tagebücher wurden erst im 20. Jhd. dechiffriert. Er war nach der Stuart-Restauration eine Art
Flottenminister. 1666 war für ihn sowas wie 2020 für uns: der Große Brand Londons, Pestepidemie,
komplizierter Krieg gegen Holland, schwieriges Fremdgehen, Finanzprobleme/Glück. Geballt zieht das
in ca. 12 Minuten an uns vorbei. A.S.

Dienstag, 08.06., 20.00 Uhr
schwere reiter
KP Werani
Viola Unlimited
Werke von Diana Syrse, Markus Muench, Philipp C. Mayer, Michael E. Bauer, Carl Christian Bettendorf
und Alexander Strauch
Mit: KP Werani (Viola solo mit Musikelektronik)
Der Viola-Solist und Komponist KP Werani präsentiert Werke, die durch den Einsatz von Elektronik die
Möglichkeiten der Klangnuancen signifikant erweitern. Keine Grenzen soll die Viola in der intuitiven
Gemeinschaft mit dem Band kennen, dem rasanten Beat vorgegebener Musik und den vielfältigsten
Ästhetiken, die im Zusammenspiel mit elektronischem Material denkbar sind.
Im Zentrum des Abends stehen Werke der in Deutschland und international arbeitenden
mexikanischen Komponistin Diana Syrse sowie ihrer Münchner Kolleg*innen Markus Muench, Philipp
C. Mayer, Alexander Strauch, Michael E. Bauer und des in den USA wirkenden und lehrenden
Deutschen Carl Christian Bettendorf. Die Kompositionen des Programms entstanden innerhalb des
letzten Jahrzehnts, von KP Werani angeregt und mit ihm zusammen für Viola und Musikelektronik
entwickelt.
Markus Muenchs „Lakehurst N.Y. 5-6-1937“ – hier für Viola solo und Elektronik – wird in einer neuen
Version für Streichorchester im letzten Konzert des Festivals am 13.6. durch das Münchener
Kammerorchester uraufgeführt.
Programm
Michael E. Bauer – Melt Down (After Kubrick: Orange) für Viola solo (2020)
Carl Christian Bettendorf – Souvenir für Viola solo und Elektronik (2012)
Philipp C. Mayer – Flutter – Dance – Beat für Viola solo (2020/21)
Markus Muench – Lakehurst N.Y. 5-6-1937 für Viola solo und Elektronik (2016)
Alexander Strauch – limiti, stanze e passaggi für Viola solo und Live-Elektronik (2021)
Diana Syrse – Asylum für Viola solo (2015)
Förderer & Partner:
scope – Spielraum aktuelle Musik im schwere reiter, KP Werani
Zu den Werken
Michael E. Bauer – Melt Down (After Kubrick: Orange) für Viola solo (2020)
Ausgehend von Stanley Kubricks „A Clockwork Orange“ reflektiert „Melt Down (After Kubrick:
Orange)“ wichtige Aspekte aus dem Werk der frühen Appropriation – Künstlerin Sherrie Levine, z.B.
Original und Originalität, Kopie der Kopie, Gegenständlichkeit vs. Abstraktion, Kunst vs.
Kommerzialität. M.E.B.
Carl Christian Bettendorf – Souvenir für Viola solo und Elektronik (2012)
Eine frühere Fassung ohne Elektronik entstand für das Abschiedskonzert anlässlich der Emeritierung
meines Lehrers Tristan Murail von der Columbia University. Ich konnte es mir natürlich nicht
verkneifen, auf den ursprünglichen Titel “Souvenir de Tristan” sehr deutlich musikalisch anzuspielen…
C.C.B.
Philipp C. Mayer – Flutter – Dance – Beat für Viola solo (2020/21)
Bratsche vs. Aufnahmen von Demos, 1994 in London gegen die Criminal Justice Bill. Der Gesetzestext
gibt folgende Definition von Musik: ‚music‘ includes sounds wholly or predominantly characterised by
the emission of a succession of repetitive beats. Ein Stück über Wiederholung und Widerstand. P.C.M.

Markus Muench – Lakehurst N.Y. 5-6-1937 für Viola solo und Elektronik
Die Reportage Herbert Morrisons während des Absturzes des Zeppelins „LZ 129- Hindenburg“ (1937)
ist wohl eine der eindrucksvollsten Reportagen der Radiogeschichte. Die Version für Viola und
Zuspielung (2016) lässt den Hörer in Morrisons Reportage direkt hineinfallen. Alle Frequenz- und
Temposchwankungen werden vom Original übernommen. Die Viola imitiert und verstärkt die vokalen
Ausbrüche Morrisons. Das Werk ist KP Werani gewidmet. M.M.
Alexander Strauch – limiti, stanze e passaggi für Viola solo und Live-Elektronik (2021)
‚limiti, stanze e passaggi‘ (italien.) zu deutsch ‚Grenzen, Räume und Übergänge‘: Grenzen umgeben
das Räumliche, das Verbindende ist der Übergang. Letzterer soll im 21. Jhd. eigentlich jedermann
offenstehen. Doch erlebten wir 2020 nach langer Zeit wieder das Eingrenzen, Einigeln, sogar im
Lande selbst riegelten sich Bundesländer von anderen ab. Enge Realität. Doch im Geiste sind Grenzen
nichts: die Gedanken sind frei! Das Stück ist KP Werani gewidmet. A.S.
Diana Syrse – Asylum für Viola solo (2015)
‚Asylum‘ ist ein 2015 komponiertes Werk und wurde vom mexikanischen Festival Internacional
Instrumenta Oaxaca 2015 in Auftrag gegeben. Es ist dem Oboisten Alejandro Tello zugeeignet.
‚Asylum‘ ist ein Stück, dem Interviewfragmente von syrischen Flüchtlingen in Deutschland zugrunde
liegen. D.S.

Donnerstag, 10.06., 20.00 Uhr
Reaktorhalle
Schlagzeugklasse Alexej Gerassimez
Schlagend / POPulist
Werke von Anna Korsun, Sergey Khismatov, Johannes X. Schachtner, Moritz Eggert sowie
Uraufführungen von Henrik Ajax, Martina Eisenreich, Hao Wu, Maksim Liakh, Markus Lehmann-Horn,
Nina Deuse, Christian Dieck, Arno Lücker und Yang Song
Schlagzeug ist gleichsam das Instrumentarium von Popmusik und Klassik, aber auch von Militär oder
Demonstrationen, und ist somit Sinnbild des politischen Klangs. Die Komponist*innen des Abends
setzen sich in ihren Werken, darunter neun Uraufführungen, mit unterschiedlichsten
Schlagzeuginstrumenten mit dem Motto „Grenzen“ auseinander und leuchten diese in zahlreichen
Schattierungen aus. So entsteht ein Vexierbild, virtuos, spielerisch und gesellschaftsbewusst.
Programm
Henrik Ajax – Pretty much the same thing all the time… für zwei Schlagzeuger (2021, UA)
Nina Deuse – Chain für Schlagzeugensemble (2021, UA)
Christian Dieck – Into Waves für zwei Schlagzeuger (2021, UA)
Moritz Eggert – Eiserner Vorhang für Schlagzeugquartett (2004)
Martina Eisenreich – DREI UND EINER
Phantasie für vier Schlagzeuger*innen (2021, UA)
I. Aussicht – II. Anläufe – III. Reflektion – IV. Plan – V. Ankunft – VI. Finale – VII. Von neuem blind
Sergey Khismatov – Cymbals Quartet für 4 Schlagzeuger mit 4 Becken (2009)
Markus Lehmann-Horn – Drowning für Große Trommel und Gitarre mit E-Bow (2021, UA)
Maksim Liakh –
für Schlagzeugduo (2021, UA)
Arno Lücker – Scherzo d-Moll für zwei Schlagzeuger (2021, UA)
Johannes X. Schachtner – Invention Nr. 2 „Spaziergang mit Geigerzähler“ für vier Woodblocks (2012)
Yang Song – Ephemeral für Vibrafon und Elektronik (2021, UA)
Hao Wu – Bang für Schlagzeugduo (2021, UA)
Förderer: Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München.
Gefördert vom Musikfonds mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und
Medien, der Ernst von Siemens Musikstiftung und der GEMA-Stiftung
Partner: Hochschule für Musik und Theater München, Schlagzeugklasse Prof. Alexej Gerassimez, BRKlassik
Zu den Werken
Henrik Ajax – Pretty much the same thing all the time… für zwei Schlagzeuger (2021, UA)
Näher der minimal music als in diesem Duo komme ich nicht. Ein zweitaktiger Rhythmus ist im
gesamten fünfeinhalbminütigen Stück präsent. Dabei wird er ständig innerhalb des Instrumentariums
unterschiedlich genutzt und entwickelt. H.A.
Nina Deuse – Chain für Schlagzeugensemble (2021, UA)
Das Werk soll nach Intention der Komponistin ohne Werktext aus sich heraus wirken.

Christian Dieck – Into Waves für zwei Schlagzeuger (2021, UA)
‚Into Waves‘ kann man am besten damit beschreiben, dass ein Motiv immer weiter entwickelt wird,
bis es sich ganz entfalten kann. In Wellen wird es vorangetrieben, aufgehalten und weitergetragen.
C.D.
Moritz Eggert – Eiserner Vorhang für Schlagzeugquartett (2004)
„Sie haben die Sprache verloren, weil sie alle Sprachen bereits gesprochen haben. In so vielen
Ländern, so vielen Exilen! Sie bilden sich zurück zum Urlaut. Du könntest ihre Entwicklung stören.“
(Hans Neuenfels, „Die Schnecke“)
In meinem Stück geht es um zwei undefinierte Systeme, die rigide auf den eisernen Vorhang, der sie
trennt, einprügeln. Hierzu gibt es natürlich keine Lösung, deswegen suchen die Spieler irgendwann
das Exil und entwickeln sich zum Urlaut zurück. Es ist eine Art Happy End. M.E.
Markus Lehmann-Horn – Drowning für Große Trommel und E-Gitarre (2021, UA)
Nicht alle, die versuchen, Grenzen zu überwinden, gelangen an ihr Ziel. Ein Stück für zwei
Spieler*innen über das Welt-Verlassen, für große Trommel und Gitarre mit E-Bow. M.L.H.
Maksim Liakh –
für Schlagzeugduo (2021, UA)
Als Schwesterstück von
, das 2019 ein Kommentar zu den Brexit-Verhandlungen war, bezieht sich dieses
Stück auf die Entwicklungen des Umgangs mit Großbritannien von Seiten der EU.
M.L.
Arno Lücker – Scherzo d-Moll für zwei Schlagzeuger (2021, UA)
Mein Scherzo steht gar nicht in d-Moll, haha. Ich wollte ein Stück mit fünf unterschiedlichen Motiven
und Geschwindigkeiten komponieren. Ein Hörstück. Mit Unterhaltsamkeitswert. Ein bisschen spröde –
und in der Mitte mit ein bisschen Bartók (den ich liebe). Wann passiert was? Was kommt wann
wieder? A.L.
Johannes X. Schachtner – Invention Nr. 2 „Spaziergang mit Geigerzähler“ für vier Woodblocks
(2012)
Das unregelmäßige Knacken eines Geigerzählers ist das Vorbild für diese zweite Invention für vier
Woodblocks – ein imaginärer Spaziergang durch ein unwirtlich-verseuchtes Land, der in einem
Trauermarsch sein Ende findet. J.X.S.
Yang Song – Ephemeral für Vibrafon und Elektronik (2021, UA)
‚Ephemeral‘ beschreibt die Vergänglichkeit von Dingen, die nur kurz existieren. Wie menschliche
Artefakte, die absichtlich nur für eine vorübergehende Zeit hergestellt wurden, um ihren singulär
wahrgenommenen ästhetischen Wert zu erhöhen. Y.S.
Hao Wu – Bang für Schlagzeugduo (2021, UA)
It’s about sound of universe plus cute boys and girls having dinner on Mars with Elon Musk. H.W.

Freitag, 11.06., 20.00 Uhr
Sonntag, 13.06., 12.00 Uhr
Gasteig / Black Box
Mauricio Kagel / Johannes X. Schachtner, Markus Schmitt
EXOTICA: EXKURSION ALPIN
Konzept, musikalische Leitung: Johannes X. Schachtner; Idee: Markus Schmitt
Mit: Ensemble aDevantgarde mit Babette Haag, Marlis Neumann, Salome Kammer, Moritz Eggert,
Matthew Sadler und Konstantin Esterl
Mauricio Kagels „EXOTICA“ von 1972 gehört zu den gleichermaßen wegweisenden wie auch
umstrittenen Werken der Nachkriegsavantgarde. Das Werk ist eine Ode an den Exotismus, eine
skurrile Hymne an die Vielfarbigkeit der Welt oder ein Suchen nach den universellen Wurzeln des
basalen Musizierens, des einfachen, archaischen Instrumentariums.
Hier setzt die für aDevantgarde eingerichtete Fassung mit alpinem Instrumentarium an: Statt sich auf
fremdartigem Material zu versuchen, wird das vertraute Instrumentarium aus dem Alpenraum (vom
einfachen Musiklöffel über die Zither bis hin zu Orgelpfeifen) zum Labor für ungewohnte exotische
Klänge. Scheinbar festgefahrene ethnisch-kulturelle Grenzen werden neu vermessen.
Mauricio Kagel selbst war über diese von Markus Schmitt entwickelte Idee informiert und hatte
großes Interesse an der Umsetzung gezeigt. Seit 2015 liegen die Rechte an dieser Fassung bei
Johannes X. Schachtner.
Programm
Mauricio Kagel – Exotica für 6 singende Instrumentalisten mit je mindestens 10 außereuropäischen
Instrumenten (1972) in der Einrichtung für alpenländisches Instrumentarium von Johannes X.
Schachtner
Förderer: Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München.
Gefördert von Musikfonds mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Partner: Gasteig München
Zum Werk
Die Originalfassung Kagels mit außereuropäischen Instrumenten wurde durch die Olympischen
Spiele 1972 in Auftrag gegeben. Die Welturaufführung dirigierte damals der Komponist selbst. Seine
Mitspielenden waren Protagonisten der damaligen Neuen Musik, wie der Komponist und Musiker
Vinko Globokar, der Cellist Siegfried Palm, der Schlagzeuger Christoph Caskel und der Klarinettist
Michael Portal. Der Verleger beschreibt den Eindruck von der Premiere auf seiner Webseite: „Die 6
Mitwirkenden hatten rund 200, in Europa völlig unbekannte Blas-, Saiten- und Schlaginstrumente zu
‘traktieren’. Der Einführungstext von Werner Klüppelholz macht die Absicht des Komponisten klar: er
wollte ‚die Überlegenheit der abendländischen Musik bzw. Kultur in Frage stellen und zu den
Ursprüngen des Musizierens zurückkehren, wo das Singen noch eins war mit dem Zum-KlingenBringen von alltäglichen Gegenständen‘… Selbstverständlich war sich der Komponist bewusst, dass
die meisten Interpreten die Spielweise des in Frage kommenden Instrumentariums nur bedingt
beherrschen, daher ist der instrumentale Part ausschließlich als fortlaufende rhythmische Monodie
notiert, wobei der Ausführende den vorgeschriebenen Rhythmus mit Tonhöhen in beliebigen Lagen
darbieten kann.“
Würde das Werk heute genauso gespielt wie zur Zeit der Uraufführung, würde eine Debatte über
„Blackfacing“ losgetreten: die Musiker färbten ihre Gesichter damals schwarz. Aber auch 1972 gab es
bereits Kritik an der Verwendung der von den Musikern schlecht beherrschten nicht-europäischen

Instrumente. Mit der dem Werk innewohnenden Dauerironie überspitzte Kagel ganz bewusst das
Verhältnis europäische Musiktradition versus exotisches Instrumentarium. So deutet dies die
Kulturkritik im Jahre 2013 bereits differenzierter: „Heute hat sich weitgehend die Deutung
durchgesetzt, es handle sich bei „Exotica“ um eine Kritik an den eigenen europäischen
Wahrnehmungsmodi. Kulturelle Selbstkritik also statt kultureller Ausbeutung.“ (NZZ, 11.10.2013)
Die Einrichtung von Johannes X. Schachtner versucht das Werk in die Musikwelt der 20er Jahre des
21. Jahrhunderts zu übersetzen. Dreh- und Angelpunkt ist hierfür das für die europäische
Musiktradition der Konzertmusik immer noch neu zu entdeckende Instrumentarium des Alpenraums.
Inzwischen gibt es zwar reichlich Werke für Zither, Hackbrett oder Akkordeon. Doch werden diese so
eingesetzt, als seien sie immer schon Instrumente des klassischen Kanons und werden genauso wie
geläufige Orchesterinstrumente verfremdet.
Hier treten nun auch Musikerinnen und Musiker an, die dieses heimische Instrumentarium als
klassisch Ausgebildete genauso wenig beherrschen wie damals Kagels Gruppe die nichteuropäischen Instrumente. Damit wird die gleiche Differenz offengelegt. Allerdings liegt nun die
Konzentration auf dem musikalisch-ironischen Gehalt. Damit wird Exotismus neu definiert: Der Riss
zwischen gewohnt und fremd verläuft nicht allein durch Kulturen, sondern ist verschütteter, aber
genauso tief auch in der eigenen Musiktradition zu finden, wenn man ihre Unterformen mit den
Mitteln Kagels aufbricht und kontrastiert.

Samstag, 12.06., 21.00 Uhr
Museum für Abgüsse antiker Bildwerke
Chor des Bayerischen Rundfunks
Über die Grenzen
Werke von Rupert Huber, Robert Moran und Sandeep Bhagwati
Mit: Chor des Bayerischen Rundfunks
Semantronspieler: Donald Manuel
Musikalische Leitung: Rupert Huber
Das Einende und das Trennende thematisieren die Komponisten Rupert Huber, Sandeep Bhagwati und
Robert Moran in ihren Werken, in denen auch improvisierte Elemente eine wichtige Rolle spielen.
Rupert Huber gilt als ein Wandler zwischen den Welten: Sein Spektrum spannt sich vom schamanischen
Ritual bis zu komplexer Chorstilistik der Neuen Musik.
Sandeep Bhagwati ist indischer Herkunft, wurde im deutschen Sprachraum kulturell geprägt und als
Komponist ausgebildet und lehrt in Kanada. Das Interkulturelle ist für ihn das Prägende: So gründete er
das Ensemble Interculturel mit Komponist*innen und Musiker*innen aus verschiedenen Kontinenten. Er befasst sich mit den verbindenden Möglichkeiten von Improvisation und Komposition und bringt Klänge, Stile, Samplings, Texte und Rhythmen aus aller Welt und unterschiedlichen Epochen zusammen, übersetzt in klein- wie großformatige, ausdrucksvolle, hochindividuelle Zeit- und Klangballungen. Ein neues Werk von Bhagwati wird an diesem Abend uraufgeführt.
Robert Moran studierte u. a. bei Hans Apostel in Wien sowie bei Luciano Berio und Darius Milhaud. Im
Sinne des gemeinschaftlichen Erlebens mit seinen Interpreten schrieb Moran eine Reihe graphisch
notierter Partituren, die zwar Strukturelemente kontrollieren, aber den Ausführenden eine eindeutig
kreative Rolle zuwiesen. In den Nullerjahren erlebte man bereits Uraufführungen von Moran in
München wie u.a. 2005 „Von unsagbaren Dingen“ für mehrere Chöre, Tenor, Blechbläser und Alphörner.
Programm
Sandeep Bhagwati – Let Them Not Say. A Ritual. für achtstimmiges Gesangsensemble (2021, UA)
Rupert Huber – Rein ins Draussen – ein Reiselied für Damenstimmen und Semantron (2021, UA)
Rupert Huber – U+1F637 für Männerstimmen (2020/21, UA)
Robert Moran – Border Crossings für fünfzehnstimmigen gemischten Chor (2020, UA)
Förderer: Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München.
Gefördert vom Musikfonds mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
und von der Ernst von Siemens Musikstiftung.
Partner: Chor des Bayerischen Rundfunks, BR-Klassik, Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke
Zu den Werken
Sandeep Bhagwati – Let Them Not Say. A Ritual. für Gesangsensemble (2021, UA)
Ein Sich-Einschwören: die Dichterin Rachel Hirshfield lässt Zeugen eines Verbrechens sprechen: „Lass
sie nicht sagen: Wir haben es nicht gesehen. Wir sahen.“ Es geht um die Grenzen des Klimas, die
Klagen unserer Nachfahren, unsere lahmen Entschuldigungen. Um Wahrbleiben. Und wie Schönheit
trügt… S.B.
Rupert Huber – Rein ins Draussen – ein Reiselied für Damenstimmen und Semantron (2021, UA)
Der Text versteht sich als Inspirationshilfe zu einer imaginären Reise. Er regt einen Gesang an, der
sich in einem nicht-alltäglichen, veränderten Bewusstseinszustand ereignet, bzw. diesen bewirkt. R.H.
Rupert Huber – U+1F637 für Männerstimmen (2020/21, UA)
Das Werk entstand unter Verwendung des Gedichtes „Die Welt ist voller Stimmen“ von Jules
Superville in der Übersetzung von Paul Celan. ‚U+1F637‘ ist den Gelbschwanz-Wollaffen gewidmet.
Huber beschreibt den Beginn seines Werkes in der Partitur: „Die Sänger stehen im Raum verteilt.
Jeder trägt eine medizinische Gesichtsmaske. Die Augen sind geschlossen. Nach geraumer Zeit
absoluter Stille und Offenheit für das Kommende beginnt es zu tönen. Es sind entweder verschiedene,
kurze Fragmente aus Elegie, die nur aus ganz wenigen, schnell hintereinander gesungenen Tönen
bestehen oder einzelne, eher tiefe, immer wechselnde Staccato-Töne, die mit großer Wucht gestoßen
werden.“
Robert Moran – Border Crossings für fünfzehnstimmigen gemischten Chor (2020, UA)
… „As for the ‚Border Crossings‘ title, this addition suggests the possibility of various musical
parameters being crossed, changed and altered in sound as it moves through the performance
space”. R.M.

Sonntag, 13.06., 20.00 Uhr
schwere reiter
Münchener Kammerorchester
(No) Borders
Werke von Samir Odeh-Tamimi, Markus Schmitt, Jakob Stillmark, Verena Marisa, Markus LehmannHorn, Markus Muench
Mit: Solo-Celli Bridget MacRae und Mikayel Hakhnazaryan (Celli), Verena Marisa (Solo-Theremin)
Musikalische Leitung: Bas Wiegers
Im Rahmen des Festivals 2021 wird die bewährte Zusammenarbeit mit dem Münchener
Kammerorchester (MKO) fortgesetzt. Das aktuelle Saison-Motto des MKO heißt „Nachbarschaft“.
Im Zentrum des Konzertes „(No) Borders“ steht die Frage von Grenzenlosigkeit und Grenzgang: Ein
zentrales Werk ist „Aufbruch“ für Streichorchester des palästinensischen Komponisten Samir OdehTamimi sein, in dessen Werk der Grenzgang zwischen Flucht und Frieden, Ost und West immer Präsenz
zeigt. Markus Schmitts „Hidden Path“ für Cello und Streicher, was zu deutsch „Schleichweg“ bedeutet,
setzt sich mit dem heimlichen, illegalen Überqueren von Grenzen auseinander und übersetzt dies in
klanglich-harmonische Auflichtungen. „Anima mea… Kreise ziehend… mit Heinrich Schütz“ für Cello und Streicher von Jakob Stillmark markiert den chronologisch-denkerischen Grenzgang, der den Bogen vom Gestern zum Heute schlägt. Neben diesen Kompositionen erklingen „Anger Management“ von Verena Marisa und „Wohl mir dass …ICH…?“ von Markus Lehmann-Horn.
In einer Uraufführung befasst sich Markus Muench mit den Bereichen zwischen Live-Musik und
Elektronik. So musikalisiert er den Radioreport des Absturzes des Zeppelins „Hindenburg“, der
symbolhaft für das Ende der Friedenszeit und den Glauben an die pazifistischen und völkerverbindenden Möglichkeiten der modernen Hochtechnologie jener Epoche steht und den Übergang in die Zerstörung des II. Weltkriegs markiert.
Programm
Markus Lehmann-Horn — Wohl … mir…dass… ICH…? für Streichorchester (2020, UA der Bearbeitung
für Streicher)
Verena Marisa – MORPHOLOGY, daraus
I. anger management für Theremin, Loopstation und Streichorchester (2017)
Markus Muench – Lakehurst N.Y. 5-6-1937 für Streichorchester und Zuspielung (2003/ 2021, UA)
Samir Odeh-Tamimi – Aufbruch für Streichorchester (2008)
Markus Schmitt – hidden path für Violoncello solo und Streichorchester (1998 / rev. 2021, UA)
Jakob Stillmark – Anima mea – Kreise ziehend… mit Heinrich Schütz für Violoncello solo und
Streichorchester (2017)
Förderer: Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München.
Gefördert vom Musikfonds mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und
Medien, von der Ernst von Siemens Musikstiftung, von der GEMA-Stiftung und vom
Förderungs- und Hilfsfonds des Deutschen Komponistenverbands
Partner: Münchener Kammerorchester – MKO
scope – Spielraum aktuelle Musik im schwere reiter musik

Zu den Werken
Markus Lehmann-Horn — Wohl … mir…dass… ICH…? für Streichorchester (2020, UA der
Bearbeitung für Streicher)
„Wohl mir, dass ich Jesum habe“ – ein wunderbares Werk im Geiste des Glaubens und des
Humanismus. Doch um diesen steht es schlecht. Die weltbekannte Komposition Bachs irrlichtert, wie
auf einem alten Grammophon abgespielt, durch das Stück, in dem erfolglosen Versuch, zu erklingen…
M.L.H.
Verena Marisa – MORPHOLOGY, daraus I. anger management für Theremin, Loopstation und
Streichorchester (2017)
Wut – als Reaktion auf Grenzüberschreitung – kennt oft selbst keine Grenzen. Ein musikalischer
Versuch zur Emotionsregulation. V.M.
Markus Muench – Lakehurst N.Y. 5-6-1937 für Streichorchester und Zuspielung (2003/ 2021, UA)
Dieser Komposition liegt die Reportage Herbert Morrisons während des Absturzes der Hindenburg
zugrunde. Es gibt 3 unterschiedliche Versionen dieser Vertonung: „Z129″ für tape (2003), „Herb
Morrison Report” für Viola und tape (2016), „Lakehurst N.Y. 5-6-1937″ für Streichorchester und tape
(2021). M.M.
Samir Odeh-Tamimi – Aufbruch für Streichorchester (2008)
Anlässlich der Uraufführung 2008 als Auftragswerk des Münchener Kammerorchesters schrieb die
Abendzeitung, dass man sich wie auf einer Hochzeit in Palästina fühle. Dem Autor sagte der
Komponist zu seiner kraftvollen und korporalen Musik: „Wenn ich die Klänge, die ich in mir höre,
niederschreibe, fühle ich mich oft, als hätte ich unter einer Schleifmaschine gelegen.“
Markus Schmitt – hidden path für Violoncello solo und Streichorchester (1998 / rev. 2021, UA)
Auf verschlungenen Pfaden bewegt sich dieses Stück durch eine raue, von Extremen beherrschte
Klanglandschaft, vergleichbar einem Hochgebirge mit glitzernden Schneeflächen und zerklüfteten
Felsformationen. M.S.
Jakob Stillmark – Anima mea – Kreise ziehend… mit Heinrich Schütz für Violoncello solo und
Streichorchester (2017)
Die Musik ist in einer kreisenden Zeit geformt, in denen die einzelnen Klänge Abschattungen einer
Hoheliedvertonung von Heinrich Schütz bilden. Eine Fantasie über ein wunderschönes Stück aus
Schütz´ zweiter venezianischen Zeit, fernab der Pest und des Krieges in seiner Heimat. J.S.

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